engagée – Workshop

Radical Cities & Rebel Democracies

 

mit Felix Maschewski, Anna-Verena Nosthoff, Valerie Scheibenpflug und Johannes Siegmund

 

Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn

07.08.2018, 14.00-18.00 Uhr

 

Im Rahmen der Ausstellung „I got the feeling of democracy when it was gone", in Kooperation mit der Postdemocratic Picture Party (HfG Karlsruhe).

 

 

Städte sind Orte der Unterdrückung, Orte der Armut, des Ausschlusses und der Ausbeutung. Im Kontext der neoliberalen Ordnung sind sie häufig Laboratorien der Kontrolle, des racial profilings und der staatlichen Gewalt. Gleichzeitig jedoch lassen sich vor allem Städte als präfigurative Räume für politische Kämpfe und emanzipatorische Praktiken begreifen: In theoretischen Auseinandersetzungen hat Henri Lefebvre mit der Forderung auf ein „Recht auf Stadt“ neue Möglichkeiten für emanzipatorische Perspektiven aufgezeigt, die David Harvey in seinem Buch „Rebel Cities“ aufgreift und für eine radikaldemokratische Stadtforschung fruchtbar macht.

 

Von anarchistische und marxistischen Traditionslinien bis zum Postmarxismus und den sozialen Bewegungen des 20. Jahrhunderts kann das Urbane aufgrund seines vernetzten und vernetzenden Charakters und den sich in ihm bietenden Möglichkeiten, autonome Strukturen aufzubauen, als ein beständiges Feld für potenzielle Interventionen angesehen werden. Es ist daher kaum überraschend, dass BürgerInnen, AktivistInnen und PolitikerInnen heute ein neues Interesse an städtischer und lokaler Politik formulieren.

 

In ganz Europa und darüber hinaus lassen sich alternative Regierungsformen auf kommunaler Ebene beobachten, die mit demokratischen Praktiken experimentieren, diese umsetzen und weiterentwickeln. Viele dieser Initiativen zielen darauf, die Macht der Unternehmen einzugrenzen und/ oder den Zugang zu Gemeinschaftsgütern wie Wasser, Energie, Wohnraum und Gesundheitsversorgung sicherzustellen. Gleichzeitig geht es vielen von ihnen um die Bekämpfung von Privatisierungen, von Kürzungen öffentlicher Dienstleistungen und von Grenzschließungen.

 

 

Der Workshop möchte einige dieser Initiativen, wie auch deren imaginäre Möglichkeitshorizonte, ihre Praktiken und Theorien vorstellen und im Kontext gängiger Diagnosen des Postdemokratischen diskutieren. Zentral ist dabei die Frage nach der Rolle der Stadt im 21. Jahrhundert: Wie lässt sich im Kontext der vielfach attestierten Entwicklung hin zu einer globalen postdemokratischen Ordnung (Crouch, Mouffe/Laclau, Rancière) Stadtpolitik neu denken? Sind gerade Städte produktive Orte der Formulierung von Alternativen? Welche neuen Beispiele für radikale urbane Demokratien lassen sich aufzeigen, wie lässt sich von diesen lernen? Wie lassen sich radikale Demokratietheorien insbesondere in Hinblick auf Städte und konkrete Stadtpolitiken praktisch umsetzen?

 

Ein besonderes Augenmerk wird im Workshop auf zwei Felder städtischer Politik gelegt. Unter Rückgriff auf jüngste Beispiele, wie etwa die von Google initiierten Sidewalk-Labs in Toronto und den geplanten „Google Campus“ in Berlin-Kreuzberg, werden wir uns kritisch mit dem Konzept der „smart-city“ und seinen praktischen Konsequenzen auseinandersetzen. Hierbei geht es auch darum, mögliche Alternativen zu entwerfen: Wie kann Datensouveränität kollektiv praktiziert und implementiert werden? Wie kann Digitalisierung aus stadtpolitischer Perspektive basisdemokratisch gedacht, wie können neue Formen der Partizipation, aber auch des Widerstands gegen datenmonopolistische Herrschaft entwickelt werden?

 

Außerdem werden wir uns mit dem Konzept und der Implementierung von StadtbürgerInnenschaft beschäftigen. New York hat beispielsweise 2013 einen Stadtausweis eingeführt und erweitert damit den Zugang zu Bildung, Verkehr, Kommunikation und Wohnraum für illegalisierte und obdachlose BewohnerInnen. Was sind die Möglichkeiten und Grenzen von StadtbürgerInnenschaften? Ist diese frei wählbare Zugehörigkeit eine Alternative zur StaatsbürgerInnenschaft? Kann sie als eine demokratische Form begriffen werden?

 

 

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